Pflegeinterventionsklassifikation NIC1
Gegenstand der Klassifikation: Die Pflegeinterventionsklassifikation NIC beschreibt was Pflegefachpersonen tun um den Gesundheitszustand der Pflegeempfänger zu beeinflussen.
Inhalt: Pflegehandlungen, die auf einer klinischen Beurteilung und auf klinischem Wissen basieren, die eine Pflegeperson durchführt um zu besseren Ergebnissen zu gelangen bei einem Individuum, einer Familie, einer Gemeinschaft oder einem Angehörigen, der die Pflege übernimmt. Jeder NIC Intervention ist neu eine Einschätzung für die benötzigte Zeit zur Durchführung und das erforderliche Pflege-Ausbildungsniveau zugeordnet.(siehe nachfolgendes Beispiel). Jeder NIC-Intervention sind Pflegeaktivitäten und eine Liste mit Literaturhinweisen zugeordnet.
Struktur: Jede der 514 Pflegeinterventionen (McCloskey 2004) hat eine Bezeichnung, eine Definition und einen eindeutigen Kode (siehe nachfolgendes Beispiel). Jeder NIC-Intervention sind Pflegeaktivitäten und eine Liste mit Literaturhinweisen zugeordnet.
Taxonomie: Die NIC-Taxonomie (McCloskey 2004) beinhaltet 3 Ebenen. Die erste Ebene umfasst 7 Bereiche (z.B. Physiologie: grundlegend; Verhalten). Die zweite Ebene umfasst 30 Klassen (z.B. Aktivitäts- und Übungsmanagement; Copingunterstützung). Die dritte Ebene der NIC-Taxonomie umfasst 514 Pflegeinterventionen. Jeder Bereich, jede Klasse und jede Pflegeintervention hat einen Kode, eine Bezeichnung und eine Definition.
Beispiel einer NIC–Intervention
(McCloskey 2006, im Druck)
Schmerzmanagement [1400]
Taxonomie:
Bereich 1: Physiologie: grundlegend ∋ Klasse E: Förderung des körperlichen Wohlbefindens
NIC-Originalbezeichnung : Pain Management
Definition
Lindern oder mindern von Schmerzen auf ein für den Patienten annehmbares Mass an Wohlbefinden.
Aktivitäten
- Dem Patienten und seinen Familienangehörigen helfen, Unterstützung
in Anspruch zu nehmen und zu gewährleisten
- Berücksichtigen der Merkmale und Ursachen der Schmerzen bei der Auswahl
von Schmerzlinderungsstrategien
- Auswählen und Durchführen verschiedener Massnahmen (z.B. pharmakologische,
nichtpharmakologische und interpersonale), um eine Schmerzlinderung möglichst
zu verbessern
- Einschätzen der Bereitschaft und Fähigkeit des Patienten zur Teilnahme;
seiner Vorlieben und der Möglicheit der Unterstützung durch wichtige
Bezugspersonen bei bestimmten Massnamen sowie der Kontraindikationen geplanter
Schmerzlinderungsstrategien
- Einschränken oder Beseitigen aller Faktoren, die eine Schmerzerfahrung
auslösen oder verstärken können (z.B. Angst, Müdigkeit,
Monotonie und mangelndes Wissen)
- Kontrollieren der Umgebungsfaktoren, die beim Patienten Beschwerden auslösen
können (z.B. Raumtemperatur, Licht und Lärm)
- Gewährleisten von Informationen über die Schmerzen (z.B. Ursachen,
mögliche Dauer und voraussichtliche Beschwerden bei bestimmten Massnahmen)
- Durchführen einer ausführlichen Schmerzeinschätzung; dazu
gehören Lokalisation, Chrarakteristika, Beginn/Dauer, Häufigkeit,
Qualität, Intensität oder Stärke der Schmerzen sowie auslösende
Faktoren
- Entwickeln einer angemessenen Einschätzungsmethode, die die Überwachung
von Veränderungen der Schmerzen ermöglicht und die Bestimmung akuter
und potentieller Auslösefaktoren unterstützen (z.B. Überwachungsbögen,
Schmerztagebuch)
- Möglichst zusammenarbeiten mit Patienten, wichtigen Bezugspersonen
und anderen Gesundheitsfachpersonen, um nicht-pharmakologische Schmerzlinderungsmassnahmen
auszuwählen und durchzuführen, falls angemessen
- Evaluieren der Wirksamkeit früher angewandter Schmerzkontrollmassnahmen,
mit dem Patienten und den Gesundheitsfachpersonen
- Evaluieren der früheren Erfahrungen mit Schmerzen, um die individuelle
oder familiäre Anamnese chronischer Schmerzen oder daraus resultierender
Behinderungen in die Einschätzung zu integrieren, falls angemessen
- Bestimmung der Auswirkung der Schmerzerfahrung auf die Lebensqualität
(z.B. auf Schlaf, Appetit, Aktivitätsebene, Wahrnehmungen, Stimmungen,
Beziehungen, Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und Verantwortungsfähigkeit
in bestimmten Rollen)
- Berücksichtigen von kulturellen Einflüssen auf die Schmerzreaktion
- Einsetzen von therapeutischen Kommunikationsstrategien, mit denen die Schmerzerfahrung
des Patienten anerkannt und seine Akzeptanz seiner Reaktionen auf die Schmerzen
vermittelt werden sollen
- Gewährleisten, dass der Patient eine angemessene analgetische Versorgung
erhält
- Achten auf nonverbale Hinweise für schmerzhafte Beschwerden, besonders
bei Personen, die sich nicht angemessen artikulieren können
- Bestimmen, wie häufig die Beschwerden des Patienten eingeschätzt
werden sollen, und den Überwachungsplan dementsprechend durchführen
- Evaluieren der Wirksamkeit der eingesetzten Schmerzkontrollmassnahmen durch
eine kontinuierliche Einschätzung der Schmerzerfahrung
- Integrieren der Familienangehörigen nach Möglichkeit der Art und
Weise der Schmerzbehandlung
- Zur Verfügung stellen genauer Informationen, um das Wissen der Familienangehörigen
und ihre Reaktionen auf Schmerzerfahrungen zu verbessern
- In Betracht ziehen des Verweisens des Patienten, seiner Familien und wichtiger
Bezugspersonen zu Selbsthilfegruppen und anderen Ressourcen, falls angemessen
- Möglichst einen multidisziplinären Ansatz bei der Schmerzbehandlung
verfolgen
- Informieren anderer Gesundheitsfachpersonen/Familienangehöriger über
die nichtpharmakologischen Strategien, die vom Patienten eingesetzt werden,
um einen präventiven Ansatz bei der Schmerzbehandlung zu unterstützen
- Benachrichtigen des Arztes, falls die Massnahmen nicht erfolgreich sind
oder akute Beschwerden sich signifikant von den vorherigen Schmerzerfahrungen
des Patienten unterschieden
- Ermutigen des Patienten, über die Schmerzerfahrung zu sprechen, falls
angemessen
- Ermutigen des Patienten, seine Schmerzen selbst zu überwachen und angemessene
Interventionen zu ergreifen
- Einleiten bzw. verändern der Schmerzkontrollmassnahmen auf der Grundlage
der Reaktionen des Patienten
Fußnoten
1.
Nursing Interventions Classification (NIC), 4th edition.
J. Dochterman & G. Bulechek (Eds.). Nursing Interventions Classification (NIC).
(2004) St. Louis, MO: Mosby.
Website: http://www.nursing.uiowa.edu/centers/cncce/nic/
2. McCloskey-Dochterman,
Joanne; Bulecheck, Gloria M. [eds.]; Aus dem Amerikanischen von Ute Villwock,
Rudolf Widmer und Jürgen Georg. Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Rudolf
Widmer [McCloskey 2006]: Pflegeinterventionsklassifikation (NIC). Hans
Huber, Bern 2006
Letzte
Änderung:
Dienstag, 07.12.04
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